Wohnungsbaupolitik weiter in der Sackgasse?

Falsche Zahlen und antiquierte Bürokratie führen ins Chaos

So geht es nicht – bürokratische Strukturen aus dem letzten Jahrtausend und falsche Planzahlen für die Zukunft führen die Wohnungsbaupolitik weiter ins Chaos“, so jüngst Jürgen Engelberth, Vorstandsvorsitzender des  Bundesverbandes für die Immobilienwirtschaft (BVFI). „Ich appelliere an eine mögliche Ampelkoalition: Betrachten Sie die Fakten realistisch und ideologiefrei. Und handeln Sie dann vernunftbegabt.“

Engelberth führt Tatsachen ins Feld. So spreche die Politik immer wieder von rund 300.000 benötigten Wohnungen in Deutschland pro Jahr. Eine unerhörte Mogelpackung. Mehr als das Doppelte, mindestens 700.000 Wohnungen, müssten jährlich entstehen. Denn was wirklich zählt, sind die Nettozahlen. Weil parallel ständig alter Wohnraum verfällt. Es wird abgerissen und vernichtet, die Lebensspanne einer Wohnimmobilie ist immer überschaubar. Dazu ist mit weiterem Bevölkerungswachstum zu rechnen. Deutschland werde in zwanzig Jahren womöglich die 100-Millionen-Marke knacken.

Bei solchen Perspektiven steht der Wohnungsbau von heute auf verlorenem Posten. Der Staat hat einen maßgeblichen Anteil daran. Es wird beschönigt und heruntergerechnet. Man denke an die Baukosten bei Großprojekten wie die Elbphilharmonie oder Stuttgart 2000. Auch im Wohnungsbau läuft in der Planungsphase in Deutschland viel zu viel aus dem Ruder. Neben den ständig steigenden Baukosten gibt es einen maßgeblichen Beteiligten: die Bürokratie.

Die bürokratischen Prozesse hierzulande bewegen sich auf dem Niveau des letzten Jahrtausends. Ein Strukturwandel wurde völlig verpasst. Es kann nicht sein, dass 30 bis 40 Jahre vergehen von der Idee eines neuen, dringend benötigten Wohngebietes am Stadtrand bis zum ersten Spatenstich. Genehmigungsprozesse dauern unsäglich lange, Dokumente werden noch per Fax verschickt. Warum nicht gleich die gute alte Brieftaube wieder zum Einsatz bringen? Zusätzlich behindern die föderalen Strukturen die Prozesse. Hier scheint nichts reformierbar zu sein. Die Sinnfrage einer solchen Struktur, die bei ihrer Einführung vor Jahrzehnten sicher ihre Gründe hatte, wird nur im Geheimen gestellt. Jede einzelne Behörde in den 16 Ländern, sei sie noch so überflüssig, verteidigt ihre Pfründe. Nebenbei bemerkt: Solche Strukturen verschlingen auch immense Steuergelder.

Was bedeutet das alles für die Preise am Wohnimmobilienmarkt? Solange es zu wenig Wohnraum gibt, werden die nicht sinken. Das ist reines Wunschdenken. Auch wenn manche Politiker dies nicht gerne hören: In einer Marktwirtschaft bestimmen nun mal Angebot und Nachfrage den Preis.Der neuster Quartalsbericht des Statistischen Bundesamtes zum Häuserpreisindex HPI zeigt:Den höchsten Anstieg bei den Preisen für Ein- und Zweifamilienhäuser und Eigentumswohnungen seit Beginn der Erhebung des HPI im Jahr 2000 verzeichnete das zweite Quartal 2021. Das bedeute erstmals einen Anstieg um mehr als zehn Prozent.

„Solche Zahlen sind die Resultate eines zu knappen Angebots,“ so Engelberth. „In Berlin möchte man das Prinzip Marktwirtschaft aber gerade exemplarisch aushebeln. Das ist heller Wahnsinn: Der Mietendeckel bringt uns zurück in DDR-Zeiten. Wer erinnert sich noch an den erbärmlichen Gammel-Look der dort flächendeckend verrottenden Gebäude? Traurige Stadtbilder landauf, landab. Soll Berlin zukünftig so aussehen? Es wird so kommen, wenn die Investoren sich aufgrund der populistischen Politik der dort Regierenden zurückhalten. Wir appellieren an eine neue Bundesregierung: Lösen Sie die strukturellen Probleme, die effektiven Wohnungsbau verhindern. Wir sollten nicht sehenden Auges in die Katastrophe marschieren. So dumm darf die Politik nicht sein.“

Erst wenn genügend Wohnraum vorhanden ist, wird sich auch die Frage der Preise entschärfen. Der BVFI fordert seit Jahren für potenzielle Käufer die Einführung von Eigenkapitalersatzdarlehen oder die Rücknahme der Grunderwerbsteuer-Erhöhungen der letzten Jahre, damit überhaupt mehr Menschen es sich leisten können, zur Altersabsicherung eigenes Wohneigentum zu schaffen.

Über den BVFI

Quelle.: Der BVFI – Bundesverband für die Immobilienwirtschaft e.V. hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten Verbände für die Immobilienbranche entwickelt. Er wurde 2011 gegründet und vertritt die Interessen von Immobilienmaklern, -unternehmern sowie    -investoren. Der BVFI verfügt über ein umfassendes Verbandsprogramm. Für seine Mitglieder bereitet der Verband eine Vielzahl von gesetzlichen Änderungen und die Ergebnisse einer lebhaften Rechtsprechung praxisnah auf. Daneben bietet der BVFI umfangreiche Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten, Events sowie Maßnahmen zur Weiterbildung und Vertriebsunterstützung.

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